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"Wo Ziegen den Rucksack kontrollieren"

 

Bonn.Die Silhouette des Siebengebirges.Die Kuppen des Westerwaldes.Die Inseln Nonnenwerth und Grafenwerth.Rolandsbogen und Rodderberg.Dazwischen schlängelt sich munter das Band von Vater Rhein.Das muss in der Tat schon ein lauschiges Plätzchen sein.Ist es auch!Hinter dieser landschaftlichen Schokoladenseite versteckt sich Deutschlands wohl landschaftlich schönster Wildpark.Seit 30 Jahren tummeln sich hoch über dem Rhein Hirsche ,Mufflons, und Schwarzkittel,aber auch Dammwild,Hochlandrinder und Bergziegen.Und dieses herrliche Fleckchen von Rolandseck liegt vor unserer Haustür.

Viele Wege führen nach Rolandseck.Umweltfreundlich mit der Eisenbahn(Haltestelle Rolandseck).Sportlich mit dem Drahtesel links oder rechts des Rheins(Fähre Bad Honnef).Oder aber mit dem fahrbaren Untersatz die B9 über Bad Godesberg bis Rolandseck (etwa 5 km) .Am bekannten Künstlerbahnhof und künftigem Arp-Museum rechts abbiegen und den ausgewiesenen Parklatz ansteuern.

Ein Besuch im Tierpark Rolandseck könnte in diesen Tagen vielleicht auch den Abschied vom Urlaub oder von den Ferien etwas abmildern oder den Übergang zum Alltag etwas freundlicher stimmen.Eltern dürften einige Mühe aufzuwenden haben , um die Pänz schließlich von diesem Erlebnis-und Abenteuerparadies für den Heimweg loszueisen.

Wer vielleicht vor längerer Zeit den Tierpark Rolandseck einmal besucht hat ,wird darüber erstaunt sein , dass sich fast überhaupt nichts verändert hat.Der urig und rustikal wirkende Landschaftscharakter zwischen den Erlenbroich Höhen und den Schluchten des Kasselbaches erinnert ein wenig an Waldinseln , die völlig der Natur überlassen werden.Rolandseck präsentiert sich keinesfalls als Viersterne-Tierpark in höchste Perfektion , sondern eher als Oase stiller Beschaulichkeit und ein wenig nostalgischer Erinnerung.Was Freiherr Eckart von Lüdinghausen so ausdrückt: " Unser Konzept von vor 30 Jahren hat heute noch Gültigkeit:Großzügige Landschaft und Flächenausdehnung mit heimischem Wild in artgerechten Revieren." Was nicht heißen soll , dass die Rudel und Herden der Vierbeiner ihr Dasein in der Abgeschiedenheit von Dickungen fristen oder sich vor den Besuchern verstecken.Da wird man schon zu Beginn des Pirschgangs von den quirligen Bergziegen eines Besseren belehrt .Die Kinder haben ihre helle Freude daran , wenn die Geißen mit ungezügeltem Temperament an ihnen hochspringen,natürlich in der Erwartung von Leckerbissen.Ein Futterautomat macht dies möglich.Für eine Mark spuckt er eine Tüte "Ziegen Pralinen" aus.Mit der Gelassenheit eines Weisen verfolgt unmittelbar daneben der Uhu das meckernde Getümmel.Wesentlich ungehaltener zeigt sich da schon der Esel ,der sich bei der Raubtier-Fütterung meistens übergangen fühlt.

Vom Ziegenrevier und vorbei an einer Dammwild-Kolonie lockt jetzt auf der Höhe ein Veteran von Aussichtsturm.Die steile Wendeltreppe im Innern wirkt etwas gespenstisch , eröffnet aber hoch oben auf der Zinne einen einmaligen Blick auf ein Perlenkette landschaftlicher Einmaligkeit.

Der Gratweg entlang eines Eichenhains bringt uns in das Revier der Schwarzkittel.Emfindliche Nasen wittern schon von weitem das typische und kräftige "Aroma" .Schier unersättlich zeigen sich die großen und kleinen Wildschweine , wenn die Futtertüten knistern.Obwohl der reichlich vorhandene Nachwuchs vor Freude tierisch grunzt,handeln Eltern und ältere Sippenangehörige nach der Devise "Selber fressen macht fett" und halten die Frischlinge an der Futterkippe kurz .Sehr zum Leidwesen der Kinder , deren Herz mehr für die "kleinen , niedlichen Schweinchen " schlägt.

Im Wald auf einer Hügelkuppe steht das Muffelwild zur Begrüßung parat .Die Muffeldamen scheinen voll emanzipiert ,denn trotz ihres bedrohlich wirkenden Schneckengehörns werden die Herren der Schöpfung bei der Fütterung von den Schmalztöpfen meistens ferngehalten . Etwas phlegmatisch und weniger auf Besuch erpicht geben sich die schottischen Hochlandrinder . Vielleicht genießen sie auf ihre Art , dass BSE an ihnen vorüber ging.Der etwa einstündige Rundgang führt danach zum Rotwild Revier.Berge ,Täler und dazwischen der Kasselbach bieten den Hirschen optimales Umfeld.Der stolze Platzhirsch "Roland" lässt sich zum Leidwesen der Besucher nur selten in seiner vollen Geweihes-Pracht blicken.Was sich aber in der Brunftzeit mit Sicherheit ändern wird, denn dann geht er unermüdlich auf Brautschau.Mit seinem schauerlichen Röhren verscheucht er die Konkurrenz und besticht die Damenwelt mit schauspielerischem Imponiergehabe.Einst schien ihm bei der Partnersuche das heimische Angebot nicht auszureichen.Roland büchste aus,verlor wohl etwas die Orientierung und verschreckte schließlich in Niederbachem die Golfspieler auf ihren Greens.An den häuslichen Herd nach Rolandseck ist er jedenfalls nicht wieder zurückgekehrt.Die Angebetete seines Herzens fand er wohl in der angrenzenden Eifel.

Am Ausgang führen die Bergziegen noch einmal einen Freudentanz auf und hoffen auf Restbestände in den Futtertüten.Sie scheuen auch nicht davor zurück,Rucksäcke und Taschen eingehend zu "kontrollieren".Noch überschüssige Kräfte lassen sich auf dem Spielplatz abreagieren.Viel Spaß bereitet den Pänz dort auch eine nostalgische Schwengelpumpe,an der sie sich nach Herzenslust austoben können.

Der Wildpark Rolandseck ist vom 1.März bis 31.November von Dienstag bis Sonntag (9:00-18:00)geöffnet.Am Montag gönnt sich das Wild nach den Besucherstrapazen einen Ruhetag.

Ferien und Ausflugstips für Sie ausgewählt von Georg Dreher,Bonner Rundschau 18.8. 2000